Neue europäische Normen für Cobots: Was Unternehmen vor 2027 wissen müssen

Einleitung: Warum Cobots zur neuen Normalität werden
Cobots, also kollaborative Roboter, entwickeln sich zu einem zentralen Bestandteil der europäischen Industrie. Im Gegensatz zu herkömmlichen Robotern, die hinter Schutzgittern stehen, arbeiten Cobots gemeinsam mit Menschen am Arbeitsplatz, was die Produktion flexibler macht.
Doch mit der zunehmenden Interaktion zwischen Mensch und Roboter gehen auch neue Risiken einher. Aus diesem Grund hat die EU neue europäische Normen für Cobots eingeführt, um die Sicherheitsvorschriften zu modernisieren und Unternehmen auf eine automatisierte Zukunft vorzubereiten.
Die wichtigsten Änderungen betreffen:
- Die EU-Maschinenrichtlinie 2023/1230 (gültig ab Januar 2027).
- Die aktualisierten Normen ISO 10218-1 und 10218-2 (veröffentlicht im Jahr 2025).
Gemeinsam gestalten sie neu, wie Cobots in ganz Europa konzipiert, integriert und eingesetzt werden müssen.
Die EU-Maschinenrichtlinie 2023/1230
Diese neue Verordnung ersetzt die alte Maschinenrichtlinie und führt Folgendes ein:
- Strengere Sicherheitsanforderungen für hochentwickelte Roboter und kollaborative Maschinen.
- Klarere Zuständigkeiten für Hersteller, Importeure und Händler.
- Cybersicherheit als Teil der Maschinensicherheit.
- Strengere Konformitätsbewertungen vor der CE-Kennzeichnung.
Sie tritt am 1 9. Januar 2027 in Kraft, sodass Unternehmen Zeit haben, sich darauf einzustellen.
Aktualisierungen der ISO 10218: Der Fokus liegt auf den Anwendungen, nicht nur auf den Robotern
Die neuen Normen ISO 10218-1/2 aktualisieren die Sicherheitsvorschriften für Industrieroboter. Zu den wichtigsten Änderungen gehören:
- Die Leitlinien zur kollaborativen Sicherheit (bisher in ISO/TS 15066 enthalten) sind nun integriert.
- Roboter werden je nach Risikostufe in Klasse 1 und Klasse 2 eingeteilt.
- Sicherheitsfunktionen (Not-Aus, Schutzabschaltung, Drehzahlüberwachung) verfügen nun über voreingestellte Leistungsstufen (PL/SIL).
- Der Fokus verlagert sich von „kollaborativen Robotern“ hin zu „kollaborativen Anwendungen“.
Das bedeutet, dass Unternehmen nicht nur den Roboter, sondern die gesamte Arbeitsumgebung bewerten müssen, einschließlich Werkzeuge, Raumaufteilung und Aufgaben der Bediener.
Wichtige Compliance-Anforderungen für Unternehmen
1. Risikobewertungen
Jede Cobot-Anwendung erfordert eine gründliche Risikobewertung, die folgende Punkte umfasst:
- Szenarien für die menschliche Interaktion.
- Grenzwerte für Kraft, Geschwindigkeit und Druck.
- Sicherheitsvorkehrungen und Not-Aus-Schalter.
2. Sicherheitsfunktionen
Cobots müssen die Standardanforderungen an die Leistungsfähigkeit von Sicherheitsfunktionen erfüllen. Weichen Unternehmen davon ab, müssen sie dies anhand einer dokumentierten Analyse begründen.
3. Cybersicherheit
Zum Thema Sicherheit gehören mittlerweile auch der Schutz von Software und die Konnektivität. Fernaktualisierungen, Netzwerkzugriff und Firmware müssen vor Manipulationen geschützt sein.
4. Schulung und Dokumentation
Das Bedienpersonal muss entsprechend geschult werden. In den Handbüchern müssen die Sicherheitsvorkehrungen klar erläutert werden, und die Unternehmen müssen technische Unterlagen und Aufzeichnungen zur Einhaltung der Vorschriften führen.
Häufige Fehler, die es zu vermeiden gilt
- Die Annahme, dass ein Cobot „von Haus aus“ sicher ist.
- Die Cybersicherheit bei der Sicherheitsplanung außer Acht lassen.
- Man stützt sich auf die veraltete Norm ISO/TS 15066 statt auf die neue Norm ISO 10218.
- Dabei wird vergessen, dass die Einhaltung der Vorschriften sowohl in der Verantwortung des Herstellers als auch des Endnutzers liegt.
Geschäftliche Vorteile der Compliance
Compliance ist keineswegs eine Belastung, sondern bietet klare Vorteile:
- Vertrauen und Ansehen: Kunden legen Wert auf sichere, zertifizierte Technologie.
- Zukunftssicherheit: Eine frühzeitige Einhaltung der Vorschriften verhindert spätere kostspielige Nachrüstungen.
- Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die über konforme Cobots verfügen, werden Marktführer sein, sobald die Verordnung in Kraft tritt.
Häufig gestellte Fragen zu den neuen europäischen Normen für Cobots
1. Wann treten die neuen Vorschriften in Kraft?
Die EU-Maschinenrichtlinie gilt ab dem 19. Januar 2027. Die ISO-Normen werden bereits empfohlen.
2. Müssen vorhandene Cobots ersetzt werden?
Nicht immer – doch aus Gründen der Sicherheit und Cybersicherheit können Aufrüstungen erforderlich sein.
3. Was ist aus der Norm ISO/TS 15066 geworden?
Sie ist nun in die Norm ISO 10218-2 integriert.
4. Wer ist für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich?
Sowohl die Hersteller (Konstruktion) als auch die Endnutzer (Risikobewertung der Anwendung).
5. Warum wird Cybersicherheit berücksichtigt?
Weil vernetzte Cobots Risiken wie Hackerangriffe und unbefugte Updates ausgesetzt sind, die zu Unfällen führen könnten.
Fazit: Heute vorbereiten, morgen führen
Die neuen europäischen Normen für Cobots sind nicht nur Vorschriften – sie sind ein Fahrplan für eine sicherere und intelligentere Automatisierung.
Unternehmen, die jetzt mit der Anpassung beginnen, vermeiden Kosten für die Einhaltung von Vorschriften in letzter Minute, schützen ihre Belegschaft und verschaffen sich einen starken Wettbewerbsvorteil.
Bis 2027 wird die Einhaltung von Vorschriften nicht nur verpflichtend sein – sie wird das Kennzeichen eines vertrauenswürdigen, zukunftsfähigen Robotikunternehmens sein.
